10 rhetorische Todsünden und wie du sie vermeidest

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Im Alltag tappen wir häufig in rhetorische Fallen, die uns das Genick brechen.

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Was für viele Wortklauberei ist, kann für aufmerksame Zuhörer ein Dorn im Auge sein. Die deutsche Sprache ist vielfältig und mit ihr können Bilder derart detailliert beschrieben werden, dass so gar ein Blinder eine ungefähre Vorstellung davon bekommen kann.

Diese Vielfalt birgt dementsprechend das ein oder andere Fettnäpfchen, in das wir regelmäßig treten und selbst ich bleibe nicht immer davon verschont. Mit diesem Artikel zeige dir zehn der größten rhetorischen Todsünden und wie du diese in Zukunft vermeiden kannst.


Die Superlative Heutzutage ist alles supergeil, super gut oder super stark. Selbst Superman wirkt mittlerweile lahm, weil das Wort "super" nichts besonderes mehr ist und jeder Kommentar auf Facebook ist von Verstärkungen geprägt.

Ein einfaches "niedlich" reicht bei einem Babyfoto nicht mehr, es muss ein "super" davorstehen. Du sollst die Superlative nicht komplett meiden, setze sie jedoch etwas sparsamer ein, um ihre Wirkung zu entfalten. Was ist denn eine Verstärkung wert, wenn sie zu oft verwendet wird? Dann etabliert sie sich in deinem Sprachgebrauch und wirkt eher abschwächend. Dasselbe gilt für Verstärkungen wie "mega" oder "geil".


Warum? Prinzipiell sind W-Fragen einer der Schlüsselfaktoren für erfolgreiche Gespräche, auf warum greife ich jedoch ungern zurück. Warum ist vergangenheitsbezogen und klingt vorwurfsvoll noch dazu.


Warum hast du das gemacht? Warum bist du so? Warum ist XY passiert?


Wegen dieser W-Frage geht für viele das Re-Framing aus dem NLP schief. Wenn jemand seinen Traumjob nicht bekommen hat, fragt er sich, warum er den Job nicht bekommen hat und macht sich damit selbst fertig. Vielmehr sollte man sich fragen, wofür man den Job nicht bekommen hat, inwiefern das Vorstellungsgespräch und die Erfahrungen daraus für die Zukunft hilfreich sind und ob die Absage ein wichtiger Schritt für die berufliche Karriere ist.


Man

Wer ist man? Jeder? Du? Oder handelt es sich um eine Sache? Unsere Kommunikation gestaltet sich leider zu passiv und ein Grund dafür ist, dass wir die Dinge nicht beim Namen nennen. Wir sehen es als eine Art der Konfrontation, jemanden direkt auf etwas anzusprechen und sofern es etwas zu kritisieren gibt, greifen wir auf "man" zurück.

Das lässt sich häufig beobachten, wenn jemand im Beruf die niedrigere Position einnimmt. Sofern etwas Ausbaubedarf hat, könnte man es besser machen, nicht etwa der Chef (Sie). Dabei lässt sich diese Zwickmühle leicht umgehen, indem der kollektive Gedanke in den Vordergrund gerückt wird und wir etwas verbessern können.


Forderungen

Der Ton macht die Musik. Heutzutage ist es leider üblich, andere herumzukommandieren und sich zu nehmen, was einem vermeintlich zusteht. Versuche es doch mal mit der höflichen Variante und bitte jemanden stattdessen um etwas.

Aus einem "Mach mal!" kann so leicht ein "Magst du mir bitte helfen?" geformt werden.


Aber

"Du bist gut in Mathe, aber..." Das klingt schon so nach "Eigentlich bist du dumm, aber ich möchte dir ein gutes Gefühl geben." Ersetze dein aber durch und oder zugleich, denn damit schwächst du deine vorherige Aussage nicht ab. "Du bist gut in Mathe und wenn wir jetzt noch Algebra üben, wirst du ein Profi darin" klingt schon wesentlich besser.


Entschuldigungen & Komplimente Entschuldigungen und Komplimente sind keinesfalls etwas Schlechtes, wie sie verwendet werden hingegen schon.

Entschuldigungen sind meistens nicht ernst gemeint und rutschen uns bei jeder Kleinigkeit über die Lippen. Besser macht es sich zu sagen, dass du dich schlecht fühlst oder wofür du dich entschuldigen möchtest. Dasselbe gilt für Komplimente: sag deinem Gegenüber, wieso er etwas gut gemacht hat und spare dir die oberflächlichen Bemerkungen. Du gehst mit deiner Freundin schick essen? Dann sage ihr, wieso sie heute Abend so gut aussieht, denn Floskeln wie "Siehst toll aus" verwendet jeder und sind alles andere als originell.


Anglizismen Nein, du musst anstelle von "Smartphone" jetzt nicht "Funktelefon" sagen, doch übertreibe es nicht mit den englischen Begriffen. Das Wort "sorry" ist überhaupt der Grund, wieso die Wirkung von Entschuldigungen so nachgelassen hat.

Achte in Zukunft darauf, nicht zu viele englische Begriffe in deinen Sprachgebrauch zu etablieren und verzichte insbesondere auf englische Schimpfwörter, die gefühlt in jedem dritten Satz verwendet werden.


Weil

Die Wunderwaffe der Überzeugung, doch Vorsicht ist bei der Verwendung dieses Wortes geboten, wenn du nach einer Erklärung gefragt wirst. Leite auf eine Frage, welche nach einer Erklärung verlangt, niemals mit dem Wort "weil" ein, denn Rechtfertigungen schwächen deine Rhetorik und senken deinen Status in der Situation. Gib einen Grund an, doch lass dein Gegenüber implizieren, ob es die Begründung für dein Handeln ist. Beispiel: A: "Sag mal, wieso bist du zu spät?"

B: "Da war ein LKW vor mir."


B hätte seine Begründung ebenso mit weil einleiten können, doch das hätte seine Position geschwächt. So wird aus einer Rechtfertigung ganz einfach eine Erklärung.


Weichmacher

Die nervigsten Begleiter deiner Rhetorik dürfen hier nicht fehlen. Weichmacher schleichen sich täglich in deine Kommunikation ein und haben viele Gesichter.

Diese sind:


Konjunktive: möchte, sollte, wollte Verniedlichungen: gar nicht mal so... Diskurspartikel: ähm, halt Abschwächende Formulierungen: relativ, eigentlich, vielleicht, im Prinzip Verallgemeinerungen: immer, jeder, nie Herabsetzungen: ich bin nur...


Reflektiere ein paar deiner letzten Sätze und du wirst feststellen, dass sich diese Weichmacher nur zu gerne einschleichen. Nicht immer sind Weichmacher zu vermeiden, Beispiel dafür ist meine soeben verwendete Verallgemeinerung, in vielen Situationen verwenden wir sie jedoch als reine Lückenfüller und dies gilt es zu vermeiden, denn du schwächst damit deine Rhetorik.


Für dich sind insbesondere Diskurspartikel lästig und dir rutscht in jedem zweiten Satz ein 'ähm' raus? Hierfür empfehle ich dir meinen Blog-Artikel "Ähm" und "halt" ersetzen: Mit diesem Trick klappt es.


Fehlende Authentizität

Es ist die größte rhetorische Todsünde und der Charisma-Killer #1 zugleich: Fehlende Authentizität. Wir verstellen uns so oft, folgen Trends und beugen uns dem Gruppenzwang, um anderen zu gefallen. Aber weißt du was? Das ist unnötig, denn du bist du und du bist einzigartig. Authentische Menschen möchten sich selbst gefallen und handeln stets nach ihren Werten und Überzeugungen sowie sie diese in soziale Beziehungen einbringen. Niemand darf dir vorschreiben, wie du dich zu artikulieren hast und aus diesem Grund gebe ich dir an der Stelle den Appell mit, auch meine Tipps aus diesem Artikel nur zu berücksichtigen, wenn sie mit deinen Vorstellungen vereinbar sind.


Doch Vorsicht: Bei Reden und Vorträgen solltest du nicht authentisch sein, im Gegenteil, ein guter Redner passt sich seinem Publikum an.


Meine Aufgabe für dich lautet wie folgt: Nimm Stift und Papier zur Hand und schreibe auf, wofür du stehst und für welche Werte du eintrittst. Möchtest du in Zukunft authentisch kommunizieren, wird dir diese Aufgabe definitiv dabei helfen, denn du findest dich selbst.

Hier nochmal eine Zusammenfassung der zehn rhetorischen Todsünden aus diesem Artikel:


- Superlative

- Warum?

- Man - Forderungen

- Aber

- Entschuldigungen & Kompliment

- Anglizismen - Weil - Weichmacher - Fehlende Authentizität


Irgendwo sollten wir aber die Kirche im Dorfe lassen. Wir sind Menschen und keine Roboter, dementsprechend ist pedantes Beobachten der eigenen Sprache alles andere als hilfreich für deine Kommunikation und führt eher zu einer geschwollenen Ausdrucksweise, die dich unsympathisch macht. Wenn du dich das nächste Mal dabei erwischst, wie du eine der rhetorischen Todsünden zum Opfer fällst, mach dich nicht selbst fertig, denn es ist menschlich.

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Dein Sebastian


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Über den Autor: Sebastian ist Gründer/Inhaber der RhetorikEcke, Coach, Bestseller-Autor und Social Media-Berater bei der four-quarters Unternehmensgruppe.

Seiner selbständigen Tätigkeit geht er mit viel Motivation sowie Leidenschaft nach und hat sich als Ziel gesetzt, das kommunikative Potential seiner Mitmenschen zu entfalten.

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