Mit diesen 5 Übungen zu mehr Schlagfertigkeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

"Und wenn ich mit der Dame verheiratet wäre, würde ich ihn trinken." Mit diesem Konter antwortete Winston Churchill auf den verbalen Angriff einer Zuhörerin, die sagte, sie würde ihm Arsen in den Kaffee kippen, wäre sie mit ihm verheiratet.


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Wir alle kennen diese Situation: Aus dem Nichts begegnen wir einer Beleidigung oder einem dummen Spruch und unsere Reaktion ist eine Mischung aus peinlicher Berührung und einem Blick, als hätten wir uns morgens vor dem ersten Kaffee im Spiegel gesehen. Zehn Minuten später fällt uns der passende Konter ein, aber dann ist es zu spät.


Techniken für schlagfertige Antworten gibt es viele, doch was bringt dir viel Werkzeug, wenn du keinen Koffer besitzt, wo du es reinlegen kannst? Bevor du dir diverse Techniken aneignest, solltest du generell an deiner Schlagfertigkeit arbeiten und das kannst du mit den nachfolgenden Übungen.



Übung Nr. 1: Mach deine Schwachstellen ausfindig

So mancher Spruch geht an uns vorbei, andere bleiben vor uns stehen und schlagen uns regelrecht ins Gesicht. Meistens treffen diese besonders verletzenden Sprüche unsere wunden Punkte und genau hier setzt du mit der ersten Übung an.

Beschäftige dich mit der Frage, was deine "Trigger Points" sind und wieso du dich bei bestimmten Sprüchen angegriffen fühlst. Am wenigsten effektiv ist ein verbaler Angriff, wenn er an dir vorbeizieht und deinem Gegenüber keine Angriffsfläche geboten wird.


Schreibe dir deine wunden Punkte auf und wie du dumme Sprüche über sie kontern kannst. Ebenso ist es hilfreich, den Stier an den Hörnern zu packen und das dahinterstehende Problem selbst zu überwinden, denn fühlen wir uns angegriffen, besteht zu dem wunden Punkt eine zu starke emotionale Bindung und von einer solchen können wir uns loslösen, indem wir sie konfrontieren und akzeptieren.


Hast du deine Schwachstellen identifiziert, kommt das Timing ins Spiel, was mich zur nächsten Übung bringt.


Bonus: Meine Podcast-Episode "Box-Rhetorik! Werde schlagfertig und haue rhetorisch jeden K. o."


Übung Nr. 2: Achtsamkeit

Die wohl größte Blockade für einen schlagfertigen Konter ist deine fehlende Achtsamkeit. Du bist mit deinen Gedanken woanders, deine Konzentration ist auf deinen Tagtraum gerichtet oder du läufst gutgläubig durch die Gegend - damit wirst du zum gefundenen Fressen deiner Mitmenschen.


Sogleich ich nicht das Schlechteste vom Menschen denke, ist ein gesundes Maß an Misstrauen nicht verkehrt, denn Gutgläubigkeit wird gerne ausgenutzt. Pack dein Handy weg, nimm die Kopfhörer aus den Ohren, beachte deine Umgebung und sei jederzeit darauf eingestellt, angesprochen zu werden und in einen dummen Spruch hineinzurennen.


Deine fehlende Achtsamkeit erlaubt es dir nicht, schnell zu kontern und du befindest dich in der bereits erwähnten Situation, dass die passende Antwort erst zehn Minuten später an deiner Haustür anklopft. Deine Achtsamkeit wird sich nicht von heute auf morgen verbessern, daher komme ich auf die nächste Übung zu sprechen und wie du eine Universaltechnik üben kannst, die kein hohes Maß an Konzentration oder gar Achtsamkeit erfordert.


Übung Nr. 3: Fragen stellen

Wie gut bist du eigentlich im Fragen stellen? Nimm dir ein paar Sekunden Zeit und denke darüber nach, ob du tendenziell viele oder eher weniger Fragen stellst.

Die (sachliche) Gegenfrage ist die wohl bekannteste, diplomatischste und effektivste Schlagfertigkeitstechnik, denn wer fragt, der führt.


Der Fokus dieses Blog-Artikels liegt zwar nicht auf den Techniken, aber Fragen stellen üben empfinde ich als essentiell, denn es erfordert nicht viel und Fragen kannst du auf jeden Spruch erwidern. Selbst wenn dir eine Beleidigung noch so wenig Spielraum für eine Gegenfrage schafft, kannst du mit einem zynischen "Geht's dir gut?" antworten. Oftmals müssen wir nur klein fragen, um groß zurückzuschlagen.


Wie du Gegenfragen richtig für dich nutzt, erfährst du in meinem letzten Blog-Artikel "Gegenfrage: Instrument zur Kontrolle oder legitime Fragetechnik?"


Kommen wir nochmal auf die Frage vom Anfang zu sprechen: Ich bin mir sicher, dass die meisten meine Frage beantwortet haben und genau hier hast du die Büchse der Pandora geöffnet. Wenn dir etwas erzählt wird oder du etwas liest, konsumierst du es in Zukunft nicht blind, sondern hinterfragst den Inhalt und sofern jemand etwas von dir fordert, wie ich es getan habe, solltest du ihn fragen, wieso er das möchte.

So entwickelst du mit der Zeit ein Gespür und kannst die Kontrolle über das Gespräch erlangen. Übertreiben solltest du es nicht - in einem normalen Gespräch sind Fragen zu beantworten, aber wird dein Gegenüber plötzlich herablassend, kannst du auf die Gegenfrage zurückgreifen.


Übung Nr. 4: Was würde ich tun?

Hast du je davon geträumt, eine Diskussion zu moderieren? Nein? Keine Sorge, auch ich wäre ungern in der Position eines Moderators, der zwei Streithähne besänftigen und sich anschließend noch als unfähig betiteln lassen müsste. Nichtsdestotrotz liefern TV-Debatten (oder solche, die du auf YouTube findest) viel Potential, um an deiner Schlagfertigkeit zu arbeiten.


Mache dir während der Debatte Gedanken, wie du auf die Sprüche oder Aussagen der Beteiligten reagieren würdest und werde insbesondere bei kritischen Fragen hellhörig, denn hier kannst du Übung Nr. 3 mit einbeziehen und zeitgleich an deiner Geschwindigkeit arbeiten. Mit dieser Übung arbeitest du an deinem Gespür für schnelle und schlagfertige Konter.


Übung Nr. 5: Die Kunst...

Schlagfertigkeit ist eine Kunst und kann mit einem Gemälde verglichen werden - bist du mit diversen Techniken vertraut und geübt darin, dumme Sprüche zu kontern, ist die Zeichnung an sich fertig und jetzt kannst du dem Ganzen noch Farbe verleihen, indem du an deiner Wortgewandtheit sowie an deiner Sprache selbst arbeitest.


Was das bringen soll? Nun, verfügst du über einen umfangreichen Wortschatz, welcher auch Synonyme und Fremdwörter beinhaltet, fällt dir das Umdeuten (Framing) leichter und somit kannst du die Worte deines Gegenübers ohne Weiteres verdrehen.

Folgendes kannst du tun:


• Lerne, Definitionen zu zerlegen

• Mach dich mit den rhetorischen Stilmitteln vertraut

• Lege dir Zitate zurecht

• Merke dir die Konter, welche dir zu spät einfallen

• Kenne die rhetorischen Todsünden

• Greife zu schwierigen Büchern (z. B. Schopenhauer oder Freud)


Diese Übung verlangt am meisten von dir ab, weil sie die meiste Zeit in Anspruch nimmt und der Ausbau unserer sprachlichen Fähigkeiten ein dauerhafter Prozess ist.


Welche Übung ist denn am effektivsten?


Die Übungen bauen aufeinander auf und sind daher gleichermaßen relevant. Ich empfehle dir, zunächst deine Schwächen ausfindig zu machen und deine Achtsamkeit insofern zu stärken, dass du jederzeit damit rechnest, eine Frage zu stellen. So kombinierst du Übung Nr. 2 und 3.


Zusammenfassung:


• Mach deine Schwachstellen ausfindig

• Mit mehr Konzentration auf deine Umgebung stärkst du deine Achtsamkeit

• Hinterfrage alles und stelle Gegenfragen • Schaue dir Debatten an und betrachte dich als Teilnehmer

• Arbeite an deiner Wortgewandtheit, indem du Bücher liest und die Facetten der deutschen Sprache kennenlernst


Dein Sebastian

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Über den Autor: Sebastian ist Gründer/Inhaber der RhetorikEcke, Coach, Bestseller-Autor und Social Media-Berater bei der four-quarters Unternehmensgruppe.

Seiner selbständigen Tätigkeit geht er mit viel Motivation sowie Leidenschaft nach und hat sich als Ziel gesetzt, das kommunikative Potential seiner Mitmenschen zu entfalten.


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