Schluss mit Mr. Nice Guy! Sag "nein" und setz dich durch

Aktualisiert: vor 4 Tagen



Du sagst "ja", obwohl du das nicht möchtest. Auf der einen Seite fühlst du dich gut, weil du einen Gefallen erwidert hast, zugleich explodierst du innerlich, weil du hast dir keinen Gefallen getan. Ein Kreuz, das viele mit sich tragen.


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Wir alle kennen diese Situation: Wir werden um etwas gebeten und möchten es eigentlich nicht tun. Eine Stimme in uns sagt jedoch, dass wir Gefallen nicht abschlagen und helfen sollten. Dieses Prozedere wiederholt sich, bis du für andere irgendwann eine Art Bettvorleger bist. Du selbst gewinnst dadurch die Sympathie anderer, aber Respekt? Fehlanzeige. Dadurch staut sich bei dir unfassbar viel Wut an und irgendwann explodierst du. Das bekommen meistens die Falschen ab und jeder wundert sich, wieso du plötzlich so bist.


Doch wie kannst du dem ein Ende setzen?


Was soll schon passieren?

Ja-Sager sind nicht von Geburt an so, sie entstehen. Meistens geht dieses Verhalten damit ein, dass uns in der Kindheit mit Konsequenzen gedroht wurde, wenn wir jemandem widersprochen haben. Das müssen nicht zwingend die Eltern gewesen sein, auch Lehrer können der Grund dafür sein. Jetzt gilt es, diese Glaubenssätze abzulegen. Niemand ist dir böse, wenn du zu etwas "nein" sagst, denn deine Mitmenschen möchten auch nicht alles. Das Gegenteil wird der Fall sein und sie werden deine Ehrlichkeit zu schätzen wissen. Sagst du zu allem "Ja und amen", wird irgendwann das bereits geschilderte Szenario eintreten und deine angestaute Wut tritt nach außen oder du kommunizierst deine Abneigung subtil und verhältst dich manipulativ. In beiden Situationen verlierst du.


Ein Grund ist genug

Du überwindest dich endlich dazu, jemandem zu widersprechen und da lauert die nächste Gefahr, nämlich die unendlich lange Ausführung darüber, wieso du den Gefallen nicht erwidern kannst. Das ewige Ausholen ist kontraproduktiv, denn je mehr Gründe du deinem Gegenüber gibst, desto eher kann er sie widerlegen. Freunde möchten am Freitag etwas mit dir machen und du musst auf deinen kleinen Bruder aufpassen? Dann sage, dass du nicht kannst. Punkt. Aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass niemand nachhaken wird und selbst wenn, kannst du jederzeit sagen, dass du keine Lust hast. Gegen diese zwei Gründe kann niemand etwas machen. Erwähnst du hingegen, dass du den Babysitter spielen musst, findet dein Gegenüber im schlechtesten Fall eine Person, die das für dich übernehmen kann und dann musst du doch mit.


Rechtfertige dich nicht Ich habe es in meinem letzten Blog-Artikel Die 10 rhetorischen Todsünden und wie du sie vermeidest bereits erwähnt, dass das Wort "weil" zur Überzeugung ideal ist, du es jedoch nicht für Begründungen verwenden solltest, denn du gibst damit keine Begründung oder Erklärung ab, sondern du rechtfertigst dich und das verschafft dir die schwächere Position. Der schwierige Teil beim Nein-sagen liegt in der notwendigen Standhaftigkeit und die legst du ab, sofern du dir die schwächere Position einräumst.


Komm zum Punkt und rechtfertige dich nicht!


Technik der kaputten Schallplatte

Eine kaputte Schallplatte spielt immer wieder dieselbe Stelle ab und das ohne Unterbrechung. Genau das solltest du auch tun. So mancher hartnäckiger Gesprächspartner wird sich durch ein "ich will nicht" nicht so schnell abspeisen lassen und volle Überzeugungsarbeit leisten wollen. Genau hier verwendest du die genannte Technik und wiederholst, dass du keine Lust hast. Wenn es sein muss, wiederhole deinen Satz fünfmal oder öfters. Es gilt: keine Schwäche zeigen!


Körpersprache und Stimme Zugleich ich kein Freund von "Fake it until you'll make it" bin, kann eine solide Körpersprache, auch wenn du dich in der Situation unwohl fühlst, einiges bewirken. Halte Blickkontakt, strecke deine Brust raus, hebe dein Kinn an und sage mit voller Überzeugung, dass du etwas nicht möchtest. Dieser Teil ist für die Überzeugung sehr wichtig, denn wer sich wie ein Schluck Wasser in der Kurve hinstellt und mit piepsender Stimme sagt "Ich will nicht", ist alles andere als überzeugend und wird womöglich doch überredet.


Vorbereitung ist alles

Tatsächlich kannst du dich darauf vorbereiten, "nein" zu sagen, nämlich indem du dich auf eine Frage einstellst und mehr Achtsamkeit an den Tag legst. Wenn ich mit Freunden weggehe und die darauffolgende Woche keine Lust habe etwas zu machen, frage ich mich zuhause bereits, ob und wann sie mich fragen, was wir die Tage unternehmen.

Das Element der Überraschung kriegt mich somit nicht und ich kann die Zeit daheim genießen. Dasselbe gilt für das Berufsleben - wenn du dir einen Kaffee holst, sei jederzeit darauf eingestellt, dass ein Kollege um die Ecke kommt und etwas von dir möchte. Diesen überraschenden Moment nutzen beispielsweise gemeinnützige Organisationen gerne in Supermärkten, denn die Menschen sind nicht darauf eingestellt, in dem Moment angesprochen zu werden und ein "ja" lässt sich leichter aus ihnen herauslocken.


Exkurs: Wie kannst du deine Achtsamkeit trainieren?


• Prüfe deine Umgebung • Sei jederzeit darauf gefasst, angesprochen zu werden • Nimm die Kopfhörer raus • Lege dein Handy weg

• Achte mehr auf Geräusche in deiner Umgebung


Übertreiben solltest du es nicht, ich möchte mit diesen Tipps keine Bürgerwehr gründen, aber viele laufen verträumt durch die Gegend oder denken beim 9:00 Uhr Kaffee auf der Arbeit schon an das Fitnessstudio und wenn der Chef oder ein Kollege um die Ecke kommt, sind sie plötzlich überrascht und ärgern sich anschließend, dass sie wieder "ja" zu etwas gesagt haben, was sie nicht machen wollten.


Zusammenfassung meiner Tipps:

• Dir drohen keine schlimmen Konsequenzen, wenn du "nein" sagst • Ein Grund ist genug • Rechtfertige dich nicht

• Bleib standhaft und wiederhole deine Aussage • Achte auf deine Körpersprache und Stimme • Sei achtsam


Jetzt kommt die Praxis

In der Theorie klingt das ja nicht kompliziert, doch die Praxis gestaltet sich da etwas schwieriger. Lass dich nicht entmutigen, wir haben alle klein angefangen und zu Beginn wirst du nun mal nicht in der Lage sein, immer "nein" zu sagen, mit viel Übung wird es aber besser. Wichtig ist es, nicht in die andere Extreme abzuweichen und zu bestimmend zu werden. Ganz anders als beim Ja-sagen, verdienst du dir zwar den Respekt deiner Mitmenschen, verlierst jedoch jegliche Sympathie. Versuche in Zukunft auch nicht krampfhaft zu widersprechen, sondern nur, wenn du etwas nicht möchtest.


Dein Sebastian


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Über den Autor: Sebastian ist Gründer/Inhaber der RhetorikEcke, Coach, Bestseller-Autor und Social Media-Berater bei der four-quarters Unternehmensgruppe.

Seiner selbständigen Tätigkeit geht er mit viel Motivation sowie Leidenschaft nach und hat sich als Ziel gesetzt, das kommunikative Potential seiner Mitmenschen zu entfalten.

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