Streit war gestern! Konflikte vermeiden und Win-win-Situationen schaffen

Aktualisiert: vor 4 Tagen

positive Einstellung zur Sache selbst. Ein unangebrachter Kommentar reicht manchmal schon aus, damit die Fetzen fliegen. Aber muss das sein? Definitiv nicht. Häufig führt fehlendes Feingefühl dazu, dass wir die Büchse der Pandora öffnen.


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"Wenn man Feuer mit Feuer bekämpft, bleibt gewöhnlich nur Asche übrig." - Unbekannt


Die richtige Einstellung

Oft ist davon die Rede, wie wir Konflikte erfolgreich lösen können, aber wieso sie nicht von Anfang an vermeiden? Oftmals scheitert erfolgreiche Konfliktbewältigung schon daran, dass wir Herausforderungen falsch ansprechen. Und ich erwähne an der Stelle bewusst das Wort "Herausforderungen", denn Konflikte wollen wir schließlich vermeiden. Sehen wir etwas als Problem, ist es wie eine Baustelle und wir halten uns an der Sache selbst fest. Eine Herausforderung hingegen ist etwas, das wir meistern und woran wir wachsen möchten. Erfolgreiches Konfliktmanagement erfordert also zunächst eine positive Einstellung zur Sache selbst.


Was deine Einstellung zur anderen Person betrifft, ist es wichtig, stets zukunftsorientiert zu denken.

Wir betrachten die Vergangenheit meistens als etwas Positives (Nostalgiefalle), doch im Eifer des Gefechts setzen wir unseren Erinnerungen lieber eine andere Maske auf und unsere Beziehung zur Person wird plötzlich negativ gesehen. Vergangenes gehört der Vergangenheit an und hat mit der Gegenwart nichts zu tun, außer es besteht ein direkter Zusammenhang.


Zu guter Letzt darf eine positive Haltung zu dir selbst nicht fehlen. Du hast schlechte Laune und bist mit dir gerade selbst nicht im Reinen? Dann entspanne dich erstmal. Befreie dich von Stress, heißt, du solltest Konflikte nie ansprechen, wenn du es eilig hast, im Auto sitzt oder einfach einen schlechten Tag hast, selbst wenn es dadurch noch ein paar Stunden bedarf, bist du jemanden konfrontierst. Warte jedoch nicht zu lange, sonst kochen die Emotionen hoch.


Wie spreche ich eine Herausforderung nun richtig an?

Objektivität

Sachlichkeit und Objektivität sind das A und O. Keine Schuldzuweisungen, keine Mutmaßungen und vor allem keine Drohungen oder Beleidigungen. Sprich an, was du auf dem Herzen hast, bleibe dabei jedoch objektiv und hebe zunächst nicht hervor, wie du dich fühlst. Oder einfach ausgedrückt: Unterscheide Fakten von deiner subjektiven Wahrnehmung.


Ich-Botschaften

Redet jemand nur von sich, werfen wir ihm Selbstinszenierung vor, doch für erfolgreiche Konfliktbewältigung ist es hingegen essentiell, die Dinge aus seiner eigenen Perspektive zu schildern und einmal häufiger "ich" zu sagen als sonst. Während du die Situation schilderst, greife dein Gegenüber nicht an, denn genau das können Du-Botschaften bewirken. Hebe hervor, wie du die Situation wahrnimmst und distanziere dich von Anschuldigungen. Hast du den Sachverhalt objektiv geschildert, bringst du an, wie du dich fühlst und insbesondere bei diesem Teil läufst du schnell Gefahr, dein Gegenüber für die in dir hochkommenden negativen Emotionen in die Verantwortung zu ziehen.


Die Gegenseite mit einbeziehen

Eine Geschichte hat immer zwei Seiten, umso wichtiger ist es, seinem Gegenüber die Chance zu geben, seine Version zu schildern. Eine Meinung ist selten objektiv und wir Menschen haben unterschiedliche Wahrnehmungen, weshalb deine Auffassung der Geschichte eine ganz andere sein kann als die der anderen Person.


Fakten sind Fakten, doch Meinungen sind stets subjektiv!


Lösungen ausarbeiten

Konflikte werden gerne als Anlass dafür genommen, mal richtig Dampf abzulassen, aber was hat man davon? Unser Ego fühlt sich leicht angegriffen und kocht der Konflikt einmal hoch, möchten wir um jeden Preis recht behalten. Nach etwas Zeit beruhigen wir uns wieder und stellen fest, dass wir dem anderen Unrecht getan haben. Diese Erkenntnis kommt dann oftmals zu spät und die Narben aus dem Streit bleiben.


Wie kannst du dir das in der Praxis vorstellen?

Dem jungen Paar Matteo und Julia ist Streit fremd. Julia hat sich jedoch in den vergangenen Tagen abweisend verhalten und war auf Matteo auch nicht immer gut zu sprechen. Matteo möchte seine Liebste darauf ansprechen und sie fragen, woran es liegt.


  • Matteo: Hast du einen Moment Zeit? Ich möchte mit dir über etwas reden.

  • Julia: Klar, was ist los?

  • Matteo: Ich habe gemerkt, dass es in letzter Zeit etwas schwierig zwischen uns ist und ich möchte das mit dir klären. Gestern hast du mich aus dem Nichts leicht angegangen, obwohl ich dich regelrecht gefragt habe, ob du auch eine Pizza möchtest. (Schritt 1) Ich fühle mich dabei nicht so wirklich wohl und mache mir auch Sorgen, dass es dir aktuell nicht so gut geht. (Schritt 2) Erzähle mir doch mal, wie du das siehst? (Schritt 3)

  • Julia: Ja, das hast du gut erkannt. Letzten Donnerstag war der Geburtstag meiner Mutter und du wolltest lieber zum Fußballspiel ins Stadion. Ich wollte nichts sagen, weil du einen Kumpel von damals sehen wolltest, aber es hat mich schon gekränkt.

  • Matteo: Das habe ich nicht gemerkt, tut mir leid. In Zukunft sprichst du das bitte an, damit es nicht wieder vorkommt, ok? (Schritt 4)


Mache dir nicht zu viele Gedanken über den Ablauf, denn alleine die Herausforderung anzusprechen, hilft viel. Kleine Dispute enden nämlich oft in einem Desaster, weil plötzlich alle sich angestauten negativen Emotionen hochkochen und wir auf unser Recht beharren. In meinem Beispiel wurde der Konflikt auch nicht einwandfrei beseitigt, denn die Entschuldigung von Matteo war halbherzig und Julia hat mit ihrem "aber" ihre eigene Aussage geschwächt. Wie wir uns richtig entschuldigen und unsere Aussagen nicht selbst entkräften, thematisiere ich in meinem Blog-Artikel 10 rhetorische Todsünden und wie du sie vermeidest.


Konflikte ansprechen ist kein Hexenwerk und kostet regelrecht etwas Überwindung. Mein heutiger Appell an dich lautet wie folgt: Sprich jede Herausforderung an. Für einen kurzen Moment wirst du dich unwohl fühlen, doch es ist auf lange Sicht das beste Mittel für eine erfolgreiche und glückliche Beziehung.


Dein Sebastian



Und wenn sich der Konflikt zuspitzt? Streit lässt sich leider nicht immer vermeiden, doch keine Sorge! In meiner Podcast Folge "Du bist Schuld! - Konflikte im Alltag und Beruf lösen" erfährst du, wie du Konflikte erfolgreich löst. Worauf wartest du? Höre rein und in Kombination mit diesem Blog-Artikel werden Konflikt für dich zu einem Relikt aus der Vergangenheit.



Die Zusammenfassung:

  • Konfliktbewältigung beginnt bei deiner inneren Haltung. Sei positiv gegenüber dir selbst, der anderen Person und der Herausforderung

  • Sprich Konflikte immer an

  • Sei objektiv

  • Verwende Ich-Botschaften

  • Lass die andere Person ihre Sicht schildern

  • Denke zukunftsorientiert und arbeite Lösungen aus


Dein Sebastian


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Über den Autor: Sebastian ist Gründer/Inhaber der RhetorikEcke, Coach, Bestseller-Autor und Social Media-Berater bei der four-quarters Unternehmensgruppe.

Seiner selbständigen Tätigkeit geht er mit viel Motivation sowie Leidenschaft nach und hat sich als Ziel gesetzt, das kommunikative Potential seiner Mitmenschen zu entfalten.

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